Manch einer hat es schon erlebt: unzählige Bewerbungen wurden geschrieben, unzählige Projekte abgeschlossen, viel Arbeit investiert – doch der Erfolg im Job bleibt aus. Dann jedoch, von einem Tag auf den anderen, scheint der Bann wie gebrochen und alles läuft wie von selbst. Dieses Phänomen hat einen Namen: das Ketchup-Prinzip oder der Ketchup-Effekt.

Was ist der Ketchup-Effekt?

Zusammengefasst:

  • Lange passiert nichts

  • Man investiert viel Arbeit

  • Man probiert unterschiedliche Strategien

  • Plötzlich kommt alles auf einmal

  • Zum Teil kommt sogar mehr, als man wollte

Als Ketchup-Effekt oder Ketchup-Prinzip bezeichnet man die Beobachtung, dass oftmals nichts vorangeht, sich dann aber plötzlich der Knoten löst und der Erfolg massenhaft eintritt. Ähnlich wie bei einer Flasche Ketchup, bei der man zunächst alles Mögliche versucht, um an den Inhalt zu gelangen: drücken, schütteln, klopfen.

der Ketchup-Effekt

Aber nichts scheint zu funktionieren. Und dann plötzlich – war es eine geglückte Bewegung oder Zufall? – kommt ein ganzer Schwall auf einmal aus der Flasche und es fließt von da an wie von selbst. Zum Teil kommt dann sogar mehr, als man eigentlich wollte.

Das ganze ist eine schöne Allegorie auf den Arbeitsalltag und den Erfolg im Beruf. Sei es in den Anfängen, wenn du unzählige Bewerbungen schreibst und keine positive Rückmeldung erhältst, dann aber auf einmal eine Einladung zum Vorstellungsgespräch oder ein Jobangebot nach dem anderen. Oder in Projekten, in denen ewig kein Fortschritt zu vermerken ist, dann aber alles scheinbar wie von Zauberhand gelingt und sich die Dinge überschlagen. Das kann auch die berufliche Karriere betreffen. Häufig strampelst du dich auf einer Position über Jahre hinweg ab, und scheinst nicht voranzukommen. Dann kommt der Erfolg ganz plötzlich und du erhältst Aufstiegschancen von mehreren Seiten.

Dies kann dann jedoch nicht nur zu einem Erfolg im Job führen, sondern auch überfordern. Ähnlich, wie zu viel Ketchup auf dem Teller, den man nicht braucht und nur die Gefahr des Kleckerns birgt, kann auch ein plötzlicher, unerwarteter Erfolg ins Negative ausschlagen, zum Beispiel durch zu viele Angebote, zwischen denen du dich nicht entscheiden kannst oder die du nicht intensiv genug prüfen kannst.

Welche Lehre lässt sich aus dem Ketchup-Effekt ableiten?

 Zunächst ist anzumerken, dass es sich bei dem Ketchup-Effekt nicht um einen wissenschaftlich untersuchten Effekt handelt. Vielmehr ist es ein Bildnis, das dir helfen kann, klarer zu sehen und dich zu motivieren, um langfristig Erfolg im Job zu haben. Denn wie auch das Klopfen und Schütteln Einfluss auf den Ketchup in der Flasche hat, so haben auch die beruflichen Anstrengungen einen Effekt, der sich jedoch häufig unbewusst und nur ungesehen ausbreitet.

Folgende Schlüsse kannst du daraus ziehen:

  • Durchhalten

  • Langfristig denken

  • Strategien ändern

  • Die Hoffnung nicht aufgeben

  • Sich auf ein Übermaß einstellen

Beispielsweise brauchen Bewerbungsprozesse häufig Zeit. Wenn du keine Rückmeldung auf eine Bewerbung bekommst, kann das auch bedeuten, dass erst der Eingang aller Bewerbungen abgewartet wird und dann alle ausführlich geprüft werden. Oder du änderst eine Kleinigkeit am Anschreiben oder Lebenslauf und plötzlich wirkt die Bewerbung ganz anders. In manchen Branchen gibt es auch zeitliche Phasen, in denen einfach mehr eingestellt wird. Manchmal ist es nur eine Frage des Timings, so dass dann nach dem Ketchup-Prinzip ein Job den nächsten jagt. Hier heißt es, Geduld zu bewahren, um nicht die falsche Entscheidung zu treffen. Denn bei der ersten Rückmeldung ist kaum absehbar, wie viele noch folgen werden. Schlägst du nach einer langen Durststrecke gleich beim ersten Angebot zu, kann dies langfristige Folgen auf deinen Beruf haben. Hier solltest du auf dein Bauchgefühl hören und falls nötig um ein wenig Bedenkzeit bitten.

Auch bei dem Bemühen um eine Beförderung werden deine Bemühungen vielleicht gesehen, aber es ist keine entsprechende Stelle frei. Oder du musst deine Strategie ändern, damit die gleichen Bemühungen besser wahrgenommen werden können. Im Verkauf läuft es häufig ähnlich: ein Produkt oder eine Marke muss erst mal durch vielfältige Maßnahmen auf vielen Ebenen bekannt gemacht werden. Wenn es dann überzeugt, verbreitet sich die Empfehlung wie von selbst.

Wie kannst du das Ketchup-Prinzip für den Alltag im Beruf nutzen?

Die Ableitungen aus dem Ketchup-Prinzip lassen sich im Alltag nutzen, um Erfolg im Beruf voranzutreiben. Folgende Ideen, Gedanken und Strategien können dir dabei helfen:

1. Verschiedene Strategien testen

Wie bei Ketchup hat es einen Effekt, verschiedene Strategien auszuprobieren, auch wenn du den Effekt nicht gleich auf den ersten Blick siehst.

2. Nicht zu schnell aufgeben

Gerade im Job solltest du Erfolg langfristig planen und optimistisch bleiben. Denn wie bei der Ketchupflasche tritt der Erfolg meist nicht sofort ein. Jede einzelne Maßnahme bewirkt eine kleine, manchmal unsichtbare Bewegung, die am Ende zu dem gewünschten Ergebnis führt.

3. Es langsam angehen lassen

Wenn der gewünschte Effekt nicht sofort eintritt, solltest du nicht zwingend noch mehr Energie in die Handlung stecken. Dies kann dazu führen, dass du dich verausgabst und am Ende gar nichts kommt, oder so viel, dass es zu viel ist. Also erst mal Ruhe bewahren und abwarten, dann läuft es manchmal zwar langsam, aber ohne große Anstrengung investieren zu müssen.

4. Vorsicht vor dem negativen Ketchup-Prinzip

Das Ketchup-Prinzip kann auch negativ ausgelegt werden. Zum einen verursachen es viele Angestellte selbst: sie schieben Arbeit so lange auf, bis sehr viel Druck entsteht, der Berg an Arbeit zu viel wird und sie von diesem übermannt werden. Auf der anderen Seite kann das Ergebnis, welches in einem Schwall und auf einmal kommt, überfordern. Wenn du beispielsweise lange versucht hast ein Produkt bekannt zu machen, dann der Knoten platzt, du jedoch die geforderte Menge in der kurzen Zeit nicht liefern kannst. Daher solltest du das Ketchup-Prinzip bei allen Maßnahmen immer im Hinterkopf haben.

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