der ehrbare Kaufmann

Über Jahrhunderte hat der Begriff des Ehrbaren Kaufmanns die Definition guten, verantwortungsbewussten Unternehmertums geprägt. Das Handeln des Unternehmers war von einer nachhaltigen Strategie geprägt, die einen langfristigen Erfolg zum Ziel hatte. Der Unternehmer übernahm Verantwortung für sein Unternehmen, für seine Mitarbeiter, aber auch für die Gesellschaft.

Doch gibt es in Zeiten, in denen Manager Millionenbezüge kassieren und Unternehmen vor allem Rendite- und Dividendenzielen hinterherjagen, noch Platz für die Prinzipien eines Ehrbaren Kaufmanns?

 

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Der Versuch einer Definition

Eine wissenschaftliche oder gar gesetzliche Definition gibt es nicht. Vielmehr beruht der Begriffe es Ehrbaren Kaufmanns auf einer langen Tradition, die Europas Unternehmensethik über Jahrhunderte prägte. Noch heute wird der Begriff im IHK-Gesetz verwendet, ohne dass der Gesetzgeber erklärt, was er unter “ehrbar” versteht.

Erstmals begegnet uns der Begriff bereits im Mittelalter, in dem das Leitbild beispielsweise die Kaufleute im Städtebund der Hanse prägte. Der Ehrbare Kaufmann gilt als jemand, der humanistische Grundsätze lebt und über ein fundiertes kaufmännisches Wissen verfügt. Außerdem verfügt er über positive Eigenschaften wie Redlichkeit, Weitblick, Fleiß, Gerechtigkeit, Entschlossenheit, aber auch Demut.

Das Streben nach Gewinn und ethische Prinzipien bilden im Handeln des Unternehmers eine Einheit. Dabei erkennt er, wie wichtig zufriedene Mitarbeiter für seinen Unternehmenserfolg sind. Loyal verhält er sich nicht nur gegenüber seinen Kunden und Lieferanten, auch ein seriöser Umgang mit den Wettbewerbern gehört zur Unternehmensethik.

Gesellschaftliche Verantwortung übernimmt der Unternehmer durch die Ausbildung von jungen Menschen und durch sein gesellschaftliches Engagement in der Gemeinde. Auch die Folgen seines Handels für die Umwelt spielen in der Unternehmensentscheidungen eine Rolle.

Doch was sind die Grundzüge ehrbaren Handelns und wie stark ist dies noch heute in der Wirtschaft präsent?

Wahrhaftigkeit

Ehrlichkeit ist eine Tugend, die scheinbar keinen allzu großen Stellenwert mehr in unserer Gesellschaft einnimmt. In einem Klima, das jedem Fehlerlosigkeit abverlangt, wird es schwerer, die eigene Authentizität zu bewahren.

Nur lohnt es sich, es für den Erfolg mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen? Lohnt es sich, Erfolg auf Lügen aufzubauen?

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Beispiel

Das Beispiel Volkswagen zeigt, dass sich damit kein nachhaltiger Erfolg aufbauen lässt.

Der Konzern behauptete in Werbebotschaften, dass die Abgase seiner Diesel besonders sauber sind. Irgendwann kam der Betrug ans Licht: Die Abgaswerte wurden manipuliert. Die Autos waren nicht schlechter als vorher, aber der Imageverlust war verheerend. Hinzu kamen saftige Vertragsstrafen und die Erkenntnis, dass sich die Lüge nicht lohnte.

Der Autokonzern verzichtete auf eine nachhaltige Unternehmenspolitik zugunsten schneller Erfolge. Das Beispiel zeigt auch, wie schnell mühsam erarbeitetes Vertrauen zerstört wird und wie schwer es ist, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Das Management setzte in diesem Fall stark auf die Dividende von Aktionären und verdrängte dabei Prinzipien Ehrbarer Kaufleute. Nachhaltigkeit, Verantwortung für die Mitarbeiter, deren Arbeitsplatz plötzlich nicht mehr sicher war, und die Verantwortung gegenüber Kunden und Gesellschaft ignorierten die Manager für den kurzfristigen Erfolg.

Überschrift

Verlässlichkeit

Vertrauen ist ein hohes Gut und sollte eines der Grundprinzipien der Unternehmensethik sein. Dabei geht es nicht nur um die Einhaltung von geschlossenen Verträgen. Aber ein Unternehmer, der Vereinbarungen in der Geschäftswelt nicht einhält, hat es schnell schwer, Geschäftspartner zu finden. Dies gilt beispielsweise für Terminzusagen, die Eigenschaften eines Produktes oder die Einhaltung vereinbarter Zahlungsziele.

Kunden wenden sich schnell ab, wenn ein Produkt nicht die zugesicherte Qualität besitzt. Wenn ein Mangel im Rahmen einer Reklamation nicht behoben wird, ist das Vertrauen des Kunden schnell nachhaltig zerstört. Hier kommt auch die Ehrlichkeit wieder ins Spiel. Ein Ehrbarer Kaufmann gesteht einen Fehler ein und macht ihn wieder gut. Ein Kunde oder Geschäftspartner wird Fehler meist tolerieren, wenn der Kaufmann das Problem aus der Welt schafft. Niemand ist unfehlbar, das Eingestehen eines Fehlers sorgt für Vertrauen.

Verlässlichkeit ist aber auch gegenüber dem Personal wichtig. Wenn sich ein Mitarbeiter auf Aussagen der Führungskraft verlassen kann, dient dies der Motivation und sorgt so für höhere Arbeitsergebnisse. Außerdem arbeitet der Mitarbeiter gern für das Unternehmen und bleibt diesem lange erhalten. Dies sorgt für eine geringere Mitarbeiter-Fluktuation, was sich positiv auf den Ablauf innerbetrieblicher Prozesse auswirkt.

 

Kultivierter zwischenmenschlicher Umgang

Wertschätzung für die eigenen Mitarbeiter, für Kunden und Lieferanten haben in vielerlei Hinsicht positive Auswirkungen auf das Unternehmen. Wer seinem Gegenüber mit Respekt begegnet, erhält meist auch Anerkennung zurück. Respekt heißt dabei nicht, die eigene Meinung zu verleugnen und Kritik zu unterlassen.

Das Wie ist entscheidend. Wenn ein Mitarbeiter einen Fehler beging, ist es selbstverständlich Aufgabe der Führungskraft, diesen auszuwerten. Dabei sind aber Schuldzuweisungen und Beschimpfungen kein gutes Mittel. Vielmehr sollten Vorschläge zu künftigen Fehlervermeidung im Vordergrund stehen.

Genauso falsch ist es, über einen Fehler hinwegzusehen. Dies können Mitarbeiter völlig falsch interpretieren und so weniger auf eine ordnungsgemäße Ausführung der Arbeit achten.

Ähnlich verhält es sich beim Umgang mit Kunden oder Lieferanten. Eine Begegnung auf Augenhöhe erleichtert den Zugang zum Gegenüber. Der Kunde ist vielleicht bereit, etwas mehr zu zahlen, der Lieferant räumt eventuell einen Rabatt ein. Oft sind diese Entscheidungen von Sympathie und Wertschätzung geprägt. Wer hier mit Hochmut auftritt, hat einen Wettbewerbsnachteil.

 

Verschwendung kommt nicht gut an

Wenn Unternehmer Mitarbeiter und Geschäftspartner auf Kostenbewusstsein verpflichten, sollten sie dies vorleben. Es gehört nicht zu einer erfolgreichen Unternehmensethik, Wasser zu predigen und selbst im Schampus zu baden.

Wenn sich Mitarbeiter auf Dienstreisen mit der “Holzklasse” zufriedengeben sollen, ist die Wirkung auf die Belegschaft verheerend, wenn der Chef mit dem Privatjet fliegt. Damit zeigt der Unternehmer fehlende Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiten. Nicht selten schließen diese dann mit dem Unternehmen ab und betreiben Dienst nach Vorschrift.

Unzufriedene Mitarbeiter können für einen Betrieb zu einer ernsten Gefahr werden. Nicht selten sind sie es, die Betriebsgeheimnisse weitergeben oder Know-how zum Mitbewerber mitnehmen.

Aber auch gegenüber Geschäftspartnern kann sich ein verschwenderischer Unternehmer in einen Nachteil begeben. Warum sollte jemand einem Menschen, der seinen Reichtum offen zur Schau stellt, einen Rabatt oder einen anderen Vorteil gewähren? Offenbar hat er es doch gar nicht nötig.

 

Soziale Verantwortung

Ein Ehrbarer Kaufmann achtet nicht nur auf die Produktionszahlen und Erträge. Er ist sich seiner sozialen Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und der Gesellschaft bewusst. Es passt nicht, wenn Kapitalgesellschaften gern Verluste verstaatlichen und die Gewinne an die Aktionäre ausschütten.

Entsprechend kritisch sieht die Gesellschaft in Deutschland Unternehmen wie die Lufthansa, die sich in der Krise mit Milliarden aushelfen lässt, aber gleichzeitig zehntausende Mitarbeiter entlässt. Dass der Konzern ein Tochterunternehmen im Steuerparadies Kaimaninseln besitzt, ließ viele Beobachter fassungslos zurück.

Aber ist dies heute allgemeiner Bestandteil der Unternehmensethik? Nein, denn die Mehrheit der Unternehmer zahlt pünktlich steuern und engagiert sich in der Region, indem sie beispielsweise örtliche Vereine unterstützen. Viele Unternehmer sind der Garant für das Funktionieren unserer Gesellschaft. Sie erlangen dadurch hohes Ansehen, was sich oft auch im Erfolg ihrer Betriebe zeigt.

 

Anstand

Loyalität zum Unternehmen und seinen Mitarbeitern, niemanden korrumpieren, kein Vertrauen missbrauchen – dies sind weitere Attribute, die einen Ehrbaren Kaufmann auszeichnen. Sind die Unternehmer, die nach den Grundsätzen dieser Kaufleute agieren ausgestorben? Nein, es gibt sie und sie sind erfolgreich. Wolfgang Grupp von Trigema oder Werner Otto, der Gründer der Otto-Gruppe, sind prominente Vertreter einer immer noch sehr großen Gruppe verantwortungsbewusster Unternehmer.

Dauerhafter Erfolg eines Unternehmens basiert immer noch auf den Tugenden, die schon im Mittelalter galten. Kurzfristig zahlt es sich vielleicht aus, diese Werte über Bord zu werfen. Wer allerdings ein langfristiges Geschäft aufbauen will, ist auf Vertrauen angewiesen. Wenn da die Grundsätze Ehrbarer Kaufleute nicht zur Unternehmensethik gehören, ist ein Scheitern des Geschäfts wahrscheinlich.

Wir kümmern uns seit 1996 als IT-Allrounder nicht einfach nur um unsere Kunden.
Wir leben und lieben die Tugenden des ehrbaren Kaufmanns und finden gemeinsam immer eine Lösung.

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